Überlebenszelle, Arbeitsmaschine, Zukunftsraum: Raumkonstruktionen für den Arbeitsplatz der Zukunft

Funktionalität, Beschaffenheit und Gestaltung des Arbeitsraums geraten zusehends in den Blick, gehen doch die Optimierung der Befindlichkeiten der Mitarbeiter_innen mit Effizienz und Gewinnmaximierung einher. Arbeitswelten sind immer als historisch veränderbares Kulturverständnis zu denken, zeigen Rahmenbedingungen, die ästhetischen Gestaltungsmöglichkeiten, den jeweiligen Stellenwert des Faktors „Arbeit“ und die Selbst- und Fremdpräsentation aller am Arbeitsprozess Beteiligten. Gesellschaftliche und technische Entwicklungen haben Auswirkung auf die Arbeitswelt. Wirtschaftliche und ökologische Büroflächen sollen diverse Milieus ansprechen. Raum ist abhängig von Wahrnehmung, Dynamik und Bewegung. Gernot Böhme (Atmosphäre und Architektur, 2013) spricht von „gestimmten Räumen“, die durch leibliche Präsenz erfahren werden. Die Sehnsucht nach Individualisierung und Flexibilität stehen Leistung, Gewinn und Kapital gegenüber, bestimmen Trends und Raten der Finanzmärkte, machen soziale, politische, kulturelle Strukturen und gesellschaftliche Verhältnisse sichtbar. Funktionalität und Aspekte der Befindlichkeiten der Mitarbeiter_innen sollen für die zielführende Arbeitsprozesse harmonisch miteinander verbunden werden. Dem Home Office stehen gemeinschaftsbildende Arbeitsräume gegenüber, die immer wohnlicher zu werden scheinen bei gleichzeitiger fortschreitende Digitalisierung. Branchen und Disziplinen gehen Synergien ein, lösen Grenzen auf, definieren Funktionen neu. Lichtverhältnisse, Materialien, Raum/Anordnungen und ästhetische Gestaltungsmöglichkeiten repräsentieren die Haltung der Arbeitgeber_innen. Freiheit und Kontrolle, Ordnung und Unordnung, Individualität und Vermassung, Transparenz und Abgeschlossenheit stehen einander gegenüber. Diese Schlüsselbegriffe stehen im Zentrum der LV, ausgehend von den eigenen Arbeitsräumen, Beobachtungen und Trends der Arbeitswelt sollen utopische Arbeitsräume erdacht werden. Wie sollen kreativitätsfördernde Arbeitsräume aussehen? Wie können Raumstrukturen und Materialien das Wohlbefinden unterstützen?

Ziel, Methode
Aktuelle Reflexion über die Arbeitswelt, die Befragung der eigenen Bedingungen und Bedürfnissen sollen räumliche Situationen als installativ gedachte Projekte, als Innen und/oder Außenraum von möglichen Arbeitsräumen kreieren. Die Produktion von Raum soll sowohl mit wissenschaftlichen Methoden als auch mit künstlerischer Forschung erfolgen, liegt doch ihr gemeinsamen Potential in den Räumen des Dazwischen. Im Unterschied zur institutionalisierten Forschung welche auf scheinbar objektiven Methoden basiert, ist die kunstbasierte Forschung ein Forschungszugang der Emotionalität. Der eigene Erfahrungsraum wird als prozessbegleitendes Phänomen integriert. Im künstlerischen Prozess Involvierte und Beobachtende stellen Fragen anders, stellen anderes in Frage. Die gewonnenen Einflussfaktoren werden bewusst aufgezeigt und durch reflexive Verfahrensweisen gelingen Mehrfachbelichtungen und Überlagerungen. Wie emotional, kreativ und imaginativ darf und soll Forschung sein? Wie erkenntnisorientiert und theoriegeleitet operieren Performer_innen in der Praxis? Diese Wechselwirkungen zwischen Theorie und Praxis sollen in der Übung ausgelotet werden. Untersuchungs- und Reflexionsgegenstand sind die breit gefächerten Räume der Arbeitswelt. Ausgehend von einem ausgewählten Objekt aus dem je eigenen Arbeitsraum (Arbeitsprozess), verbunden mit einer Geschichte soll in einem workshop mit der self sight seeing company dieses Objekt mit der Dualität der Schlüsselbegriffe (Freiheit vs Kontrolle, Ordnung vs Unordnung, Individualität vs Vermassung, Transparenz vs Abgeschlossenheit) in einem Dialog gesetzt und praktisch inszeniert werden.

Ästhetische Verfahren und Strategien, Produktionsprozesse werden durch begleitende Beobachtung, durch Werkstatt- und Expert_innengespräche und Erfahrungsberichte dynamisch und interaktiv begleitet.


Credits:

Categories: University Lecture, Art as Research

Date: 2019

Institution: University of Vienna, Institute of theater, film and media studies

Concept: Brigitte Marschall, SelfSightSeeing Company

Guest Lecture: EIGENSINN, Sigrid Mayer

Bene Headquater: Workshop, Guided Tour

Impact Hub Vienna: Guided Tour

Merkur Campus Graz: Construction site visit

Merkur Campus Atelier: Workshop with Itshe&Io

Studio Stumpergasse: Workshop with Itshe&Io

 

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